Entstehung und Entwicklung der
WOHNUNGSGENOSSENSCHAFT AUGSBURG NORD-OST eG


Bis Mitte des 19. Jahrhunderts wurden Wohnungen fast ausschließlich von privaten Bauherren, Angehörigen des Mittelstandes, als Kapitalanlage oder zum Zwecke von Grundstücksspekulationen errichtet. Billige und gesunde Wohnungen zu schaffen, war für sie nicht interessant.

Die Industrialisierung nahm damals gewaltig zu, die Textil- und Maschinenbauindustrie (MAN) boomte. Durch den Zuzug vieler Arbeiter wurde die schon vorhandene Wohnungsnot immer schlimmer.

Am 16. November 1900 gründeten daher 39 Männer in Selbsthilfe die Baugenossenschaft Augsburg, die erste Wohnungsgenossenschaft in diesem Raum. Die neue Genossenschaft konnte die Klauckewiese auf der Bleich zu einem Grundstückspreis von 70 Pfennig bis 1 Mark pro Quadratfuß erwerben. Die Lage nahe der M.A.N. war für Gründungsmitglieder und Arbeiter, die dort beschäftigt waren, recht günstig.

Bereits im Jahre 1901 wurde mit dem Bau von drei Häusern begonnen. Die Finanzierung gestaltete sich - bei einem Geschäftsanteil von damals 200 Mark pro Mitglied - äußerst schwierig. Dennoch konnten die 26 Wohnungen schon 1903 bezogen werden. Bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs 1938 verfügte die Genossenschaft dann über einen Bestand von 42 Häusern mit insgesamt 361 Wohnungen.

Bei einem fürchterlichen Luftangriff in der Nacht vom 25. auf 26. Februar 1944 mit etwa 2000 britischen Flugzeugen wurden - der Chronik zufolge - über 300.000 Bomben auf Augsburg abgeworfen. Dabei kamen 730 Augsburger, darunter 26 Mitglieder der Genossenschaft, jämmerlich und grausam zu Tode.

Am Ende des Krieges waren 20 Häuser mit 191 Wohnungen, die Hälfte des Bestandes, total zerstört, weitere 76 Wohnungen waren erheblich beschädigt. Auch die Geschäftsräume der Genossenschaft mit sämtlichen Unterlagen waren vernichtet.

Unmittelbar nach dem Krieg begann die Genossenschaft mit dem Wiederaufbau. Mitglieder leisteten über 6000 freiwillige Arbeitsstunden ohne Bezahlung, um Schutt wegzuräumen und daraus wieder verwendbares Baumaterial (Steine, Dachplatten, Balken) zu gewinnen. Ausgebrannte Wohnungen wurden instand gesetzt. Bis zum Ende der 50-er Jahre entstanden 21 neue Häuser mit insgesamt 219 Wohnungen. In der Salzmannstraße wurde 1964 ein Haus mit 12 Wohnungen und 1975 ein Gebäude mit 37 Wohnungen in der Reischlestraße neu errichtet.

Während des Dritten Reichs war eine Fusion mit der Baugenossenschaft Augsburg-Lechhausen behördlich angeordnet worden, welche 1948 rückgängig gemacht wurde. Nach Umfirmierungen entstand aus der damaligen Baugenossenschaft Augsburg die heutige WOHNUNGSGENOSSENSCHAFT AUGSBURG NORD-OST eG, die im Jahr 2000 ihr 100-jähriges Bestehen feiern konnte.

Zweck der Genossenschaft ist die Förderung ihrer Mitglieder, vorrangig durch eine gute, sichere und sozial verantwortbare Wohnungsversorgung. Sie legt den Schwerpunkt ihrer Aktivitäten auf die Modernisierung des Bestandes und die Verbesserung der Wohnqualität. Vielfältige Maßnahmen zur Energieeinsparung erhöhen den Komfort der Wohnungen und verringern die Belastung der Umwelt.
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